Carlo Destra – Traumjobs

Theaterstück für das Klassenzimmer

»Die Camorra tut was für ihre Leute. Bei uns fällt keiner durchs Netz.«

Das Stück

Berufsberatung im Klassenzimmer — ein wei­te­rer Pflichttermin, in den nie­mand gro­ße Erwartungen setzt. Aber der Mann mit dem akzent­frei­en Deutsch fängt gar nicht erst an, den Schülern mög­li­che Karrieren als Elektrotechniker oder Kosmetikerin schmack­haft zu machen. Stattdessen fal­len schon bald Sätze wie: “Die Camorra tut was für ihre Leute. Bei uns fällt kei­ner durchs Netz.” Arbeitslosigkeit, Armut und das Gefühl, von der Politik im Stich gelas­sen zu wer­den, haben das orga­ni­sier­te Verbrechen in Neapel groß gemacht. In eini­gen Gebieten und Köpfen Deutschlands ist die Ausgangslage ähn­lich güns­tig.

Nüchtern und anschau­lich berich­tet der Berufsberater von sei­nem eige­nen Werdegang. Von sei­nem Vater, der dem System sei­ner Heimatstadt ent­kom­men woll­te und doch nicht ein­mal sei­nen Sohn davor bewah­ren konn­te. Von Erfolg, Geld, Anerkennung. Und dann: die unbe­ab­sich­tig­te Mitschuld am Tod eines Menschen… Geschrieben ohne jeden Anflug mora­li­scher Überlegenheit, ist Traumjobs ein Stück über ver­meint­lich leich­te Wege und die Verantwortung, die letzt­lich jeder für sich sel­ber trägt.

Die Inszenierung 

Ein Container sym­bo­li­siert im Stück sehr ein­drück­lich den glo­ba­li­sier­ten Kreislauf der Waren, zu denen auch Menschen oder Ideen gehö­ren. Container sind pro­vi­so­ri­sche Räume. Man begeg­net ihnen auf Baustellen und in jeder zwei­ten Schule als Unterrichtsraum für eine “Übergangszeit”. In einem Unterrichtscontainer oder dem Klassenzimmer tref­fen die Schüler auf den Berufsberater Carlos Destra. Er nimmt sie mit auf die Reise und erzählt von sei­ner deutsch-ita­lie­ni­schen “Karriere”.

Was ist Dein Traumjob? Hartzen, Kriminalität, Ausbildung oder Studium? Es geht in unse­rer Inszenierung um den Entscheidungsspielraum, den jeder im Übergang von Schule zu Beruf hat. Die Zuschauer sit­zen in zwei Blöcken ein­an­der gegen­über. Der Schauspieler kann sehr nah und per­so­nen­be­zo­gen inter­agie­ren.

Traumjobs — Theaterpädagogisches Modul

Die Biographie des Deutsch-Italieners Carlo Destra bie­tet auch Schülern/Innen mit Migrationshintergrund Identifikationsmöglichkeiten. Im Stück bie­tet der Capo, als nächst höhe­re Instanz im streng hier­ar­chisch geglie­der­ten System der Camorra, Carlo Destra einen per­fekt pas­sen­den Designeranzug an. Er soll hin­ein­schlüp­fen in die für ihn geschaf­fe­ne Position: Designeranzug und Pistole sind ver­füh­re­ri­sche “Kommunikationsmittel” auf dem schein­bar mühe­lo­sen und schnel­len Weg “nach oben”.

Wie groß ist der Spielraum zwi­schen Traum- und Wunschberuf?

In unse­rem thea­ter­päd­ago­gi­schen Modul kom­bi­nie­ren wir die Aufführung im Klassenzimmer mit einem Kommunikationstraining, bei dem die Jugendlichen in sze­ni­schen Übungen Handlungsalternativen in ‘schwie­ri­ge‘ Situationen durch­spie­len: Vorstellungsgespräch, ers­ter Praktikumstag, Konflikte am Arbeitsplatz.

Ergänzt wird die­se Gruppen-Training durch ein 1:1 Telefoncoaching, das auf den indi­vi­du­el­len Stand der Berufsorientierung jedes Teilnehmers/jeder Teilnehmerin ein­geht.

»Ich wollte den Weg gehen, den mein Vater begonnen hatte, aber ich wollte ihn zu Ende gehen…wenn er heute noch leben würde wäre er stolz auf mich. Meine Mutter ist stolz auf mich!«

Traumjobs” von John Düffel

es spielt Tomasso Tessitori
Theaterpädagogik: Günay Köse

Regie: Andreas Schmid.

Ein Projekt von tt-thea­ter­pro­duk­ti­on und theaterkunst.koeln,
geför­dert durch das Kuluramt Köln.

Aufführungsrechte: Rowohlt-Theaterverlag

Mit freund­li­cher Unterstützung von: