Das Karussell der Erinnerung

Ein Stationentheater in Düsseldorf-Derendorf

»Erinnern heißt verdauen, wiederkäuen, nochmal verdauen und wieder runterschlucken. Der Magenpförtner schüttelt den Kopf. Wieder hoch damit, ein Gemisch aus Magensaft und Brei.«

Das Stück

Als Theatermacher dür­fen wir betrach­ten, was Historiker strikt ableh­nen: Die emo­tio­na­le und sub­jek­ti­ve Verankerung von Erinnerung im Leben eines Menschen.

Drei Schauspieler*innen und ein Musiker erin­nern sich — an Dinge, die sie selbst gar nicht erlebt haben. Text-Grundlage die­ses Erinnerungsspieles sind die tran­skri­bier­ten Schilderungen der Überlebenden, sowie insti­tu­tio­nel­le Dokumente der NS- und Nachkriegszeit, die etwa bewei­sen: Die Finanzbehörde orga­ni­sier­te Versteigerungen des letz­ten Hab und Gutes der depor­tier­ten Juden, die Bevölkerung mach­te Jagd auf Schnäppchen.

Die Zuschauer*innen wer­den im Karussell der Erinnerung von den Schauspieler*innen an Orte geführt, die an die Auslöschung der 6.000 rhein­län­di­schen Juden erin­nern, die am Schlachthof Derendorf gesam­melt und über den Güterbahnhof Derendorf depor­tiert wur­den. Durch wel­che Formen des Erinnerns und Vergessens set­zen wir uns mit der NS-Zeit und ihren Folgen bis heu­te aus­ein­an­der? Durch wel­che Geschichten wird Geschichte in der Familie an die nächs­te Generation wei­ter­ge­ge­ben?

In der zwei­ten Hälfte der Inszenierung gelan­gen die Zuschauer*innen an leben­di­ge, heu­ti­ge Orte: die Buscher Mühle, 1956 wie­der­auf­ge­baut durch den Heimatverein ‚Derendorfer Jonges’, eine alte Schule, die bis vor kur­zem als Notunterkunft für Geflüchtete genutzt wur­de und das Haus der Jugend. Hier ist das ‘Karussell der Erinnerung’ instal­liert, eine Raumbühne, in der die Zuschauer*innen Platz neh­men. Die bespiel­ten Dokumente und Orte tau­chen noch­mal auf und wer­den von den Schauspieler*innen und dem Musiker auf unse­re Gegenwart und nahe Zukunft bezo­gen: Was ist ein Dokument? Welche Konsequenzen hat Erinnerungskultur in unse­rer Migrationsgesellschaft? In der Raumbühne des letz­ten Spielortes haben die Zuschauer*innen die Möglichkeit sich nach der Aufführung über ihre per­sön­li­chen Perspektiven auf Erinnerungskultur aus­zu­tau­schen.

Interview auf NRWision:

Teil 1

Teil 2

Das WDR-Fernsehen berich­te­te in einem 5-minü­ti­gen Beitrag der Sendung ‚Lokalzeit Düsseldorf’: hier kön­nen Sie den Beitrag in der Mediathek anse­hen:

Eine Produktion von TheaterKunstKöln e.V. in Kooperation mit dem Erinnerungsort Alter Schlachthof (HSD) und dem Jugendring Düsseldorf.

»Jetzt wird die Reise langsamer, wir reihen uns ein, werden verdichtet und dann, am Ende des Tunnels sieht uns die Sonne wieder, wir sind geworden aus dem Vergangenen — Jetzt- ein Dung für die Zukunft.«

Das Karussell der Erinnerung –
Eine Theaterinszenierung mit fünf Stationen

Termine 2019:

11. und 12. April, jeweils 19:00h  bis 21:15h
Bitte wet­ter­fes­te Kleidung tra­gen.

Reservierung:
0157 34 29 71 00

Es spie­len Nathalie Taly Journo, Martina Kock und Tomasso Tessitori

Musikalische Leitung: Nils Tegen
Kostüme: Anaïs Jardin
Masken-Workshop: Jörg Runk
Produktionsassistenz: Sugata Tyler
wis­sen­schaft­li­che Begleitung: Adelheid Schmitz
Theater-Live-Zeichnungen: Sabine Rixen
Konzept und Regie: Andreas Schmid

Eine Produktion von theaterkunst.koeln e.V. in Kooperation mit dem Erinnerungsort Alter Schlachthof (HSD) und dem Jugendring Düsseldorf.

Dank an: Dr. Joachim Schröder, Präsidiumsbeauftragter Erinnerungsort Alter Schlachthof, Sophie Brüss, Ana Valéria Gonzalez, der Arturo Schauspielschule Köln, den Derendorfer Jonges e.V. und Hispi e.V.